Kerstin Pfefferkorn

In den Malereien von Kerstin Pfefferkorn stehen Menschen in Anti-Posen neben unspektakulären Naturdarstellungen oder Stilleben. In ihren Auslassungen und Betonungen zeigen die Bilder vor allem einen persönlichen Blick, eine subtile Schreibweise des Alltäglichen, die stellenweise in farbigem Schweigen zu verschwinden scheint. Gemeinsam ist den Motiven, dass sie in abstrakte Farbflächen zu zerfallen beginnen wie in ein bildnerisches Alphabet. Hierarchien lösen sich im farbig ausdifferenzierten Bildraum weitgehend auf, die verschiedenen Malgründe sind oftmals nur schwer voneinander abzugrenzen. Dadurch wirken die Bilder zunächst verschwommen wie persönliche Erinnerungsfetzen, doch Pfefferkorns Malereien sind genau andersherum angelegt. Ihnen liegt eine präzise Konstruktion zugrunde, die auf Reduktion beruht.

 

Kerstin Pfefferkorn nähert sich ihren Vorlagen in einem fein austarierten Prozess des Zeigens und Verbergens. Als Ausgangspunkt setzt sie wenige, aber wichtige Details ins Bild. Diese Details fixieren das Dargestellte einerseits auf der Bildfläche, andererseits in der Gegenwart. In einem zweiten Schritt folgen lasierende Ei-Tempera-Schichten einer hellen Farbpalette, durch die sich der atmosphärische Gehalt des Gemalten ausbreitet und die sparsamen Bauteile des Bildes miteinander verbunden werden. Eine feste Verankerung im Bildformat erreicht Pfefferkorn schließlich durch „den richtigen Abstand, wie eine Bohrmaschine so in der Verpackung mit Schaumstoffecken gehalten wird, dass sie stabil liegt“. Dies lässt ihre Motive oftmals auch unbeweglich wirken. Doch gerade durch die Bewegungs-, Zeit- und Lautlosigkeit ihrer Modelle gewinnt die Malerin den von ihr gesuchten Spielraum: Das in der Gegenwart verankerte Auge des Betrachters kann weit in einen offenen und individuellen Zeit- und Bildraum hineinschauen, in dem Symbolhaftigkeit aufscheint und beim Betrachten ein Prozess des Suchens, Erinnerns und Assoziierens in Gang gesetzt wird.

 

© Bettina Reichmuth 2018

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